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Auch dieses Jahr metzelten sich wieder Metal-Bands jeglicher Coleur durch das schwäbische Abtsgmünd, das gute eineinhalb Autostunden von Stuttgart befindet. Diesmal waren u.a. für die Todesjünger SIX FEET UNDER oder VOMITORY dabei. Auch DANZIG liess sich nicht lumpen. Es war leider ein sehr nasses Festival, aber lest doch einfach selbst...
Donnerstag, 21.08.04
Es ging gleich zügig und melodisch auf der Main Stage zur Sache. Die Finnen SONATA ARCTICA starteten durch. „Winterheart's Guild", der Titeltrack des gleichnamigen Albums preschte schon zu nachmittäglicher Stunde in die Menge. „Don't say a word" setzte an. Die Jungs machten ihre Sache wirklich sehr gut. Toni war sehr gut bei Stimme und auch der Rest fegte durch die Songs, dass es eine wahre Freude war.
FLESHCRAWL, die schwäbischen Schweden werden sie respektvoll genannt. Und das passte so was von genau aufs (blaue) Auge. Sie ließen es regnen, „As blood rains from the sky" brach sofort allen Anwesenden das Genick. Wer dann noch weiterrotieren wollte, dem kam „Flesh bloody Flesh" gerade recht. „In the Force coming in" brezelte mit einem brettharten Groove und einer irrsinnigen Doublebass Attacke durch die vorderen Reihen vor der Pain Stage, die abgingen wie Schmitt's Katze. Extrem! Dann „Damned in Fire", Beneath a dying sun", „Under the banner of Death" und „Made of Flesh" und die Menge an Todesjüngern war entweder total am Ende oder mordsmäßig glücklich. Stoff der ersten Güte.
Ebenfalls auf der Pain Stage agierten dann die Mannheimer Mittelalter-Rocker von SALTATIO MORTIS. Ich war echt sehr gespannt auf den Auftritt, hatte ich sie doch noch nie gesehen. Aber gleich hatten sie Probleme mit dem Mikro, es kamen einfach kein Vox zustande. Dies war aber schnell behoben. Das nächste Lied widmeten die Jungs auf der Bühne Hr. Doublebush, da dieser ihrer Meinung nach noch nicht begriffen hatte, dass die Kreuzzüge vorbei sind. „Deshalb, Mr. President, für sie!" meinte Alea. „Der Heuchler" brachte es dann auf den Punkt. Mir fiel auf, dass die Bühnenecken mit allerlei mittelalterlichen Instrumenten vollgeparkt waren. Wahnsinn. Drei Schalmeien bliesen uns Melodien um die Ohren. Wir wurden gefragt, ob das Summer Breeze nun Schweinskram hören möchte. Die Menge johlte ein lautes Ja. „Nun kommt ein Lied für alle die heute abend noch etwas saufen und ficken wollen. Ein Lied für den Mümmelstein aus seiner Jugend, die ungefähr 500 Jahre her ist, als er auch noch lieben konnte." Und Alea hatte mit dieser Ansage die Lacher auf seiner Seite. Es folgte „Vive l'amour", ein sehr schönes Lied. „Falsche Freunde" hat man leider auch öfters im Leben. Flak hätte heute Nacht Schweinskram mit dem Busfahrer Maximus gemacht, meinte Alea. „Der dunkle Engel" landete in Abtsgmünd, gefolgt von einem schrägen Cover des Jim-Knopf-Kult-Songs „Eine Insel mit zwei Bergen". Direkt folgte dann „Junges Blut" und die Mannheimer bezeichneten dies heute hier als Highlight des Jahres. Ein wirklich cooler Auftritt der Barden.
Die Melancholiker von SENTENCED gaben sich auf der Main Stage die Ehre, deren Auftritt wir aber nur kurz beiwohnten, so wie noch des öfteren auf diesem Summer Breeze. „Sun won't shine" und „Ever Frost" sind nur zwei der Songs, die die Finnen an diesem Abend performten. Es haute mich nicht wirklich von den Socken, denn es waren eben nur weitere Melancholik-Songs, die ich für meinen Teil schon besser gehört habe.
Es folgte ein Gig der Extraklasse. GODDES OF DESIRE betraten die Pain Stage als Letzte und feierten eine tierische Party mit typischem 80er Metal und einer ganz lustigen Lack/Leder/SM/Horror-Show. Mit Hymnen wie „Metal Forever" (ein wirklich geiler Song) oder dem „Symbol of Triumph" machten sie die anwesende Fan-Schar restlos glücklich. „Hör mal zu, Summer Breeze", meinte man dann, bevor die Band mit „Scream for Metal true" den von uns beigewohnten Teil des Gigs beendete. Richtig cool, die Band.
Es wurde Freitag, der 22.08.04, und DARK FORTRESS aus Landshut begannen mit ihrer Show und den hymnenhaften Black Metal Songs, denen eine gewisse Melancholie/depressive Stimmung beiwohnt. Sänger Azathoth trug ein weißes Oberteil mit dem Spruch „Kill Me" und schwarze Lederhandschuhe. Das Corpsepainting bestand bei Azathoth eigentlich nur aus weißer Farbe. Das Keyboard legte sich sehr schwermütig über die anderen Instrumente, ohne dabei zu nerven. Es teilten sich cleane, geflüsterte Vocals mit den urtypischen Kreischereien. Eine gute Band, deren Musik man sich nicht bei mieser Stimmung antun sollte (oder gerade dann). Und ein ordentlicher Gig.
Man zockte für TOTENMOND, doch wird das ein vernünftiger Ersatz? Es wurde. Zwar nicht ganz dass, was sich Jünger der Drei Extrem-Musikanten erhofften, aber für den gemeinen Metal-Fan gigantisch gutes Material. Den von einigen Death/Black-Elementen durchzogene Power Metal, oder auch anders herum, schmetterten die Dänen von MERCENARY gekonnt und spielerisch auf höchstem Niveau in die Audienz. Manchmal fühlte man sich von Sänger Mikkel bei einem Song aus dem Set immens an den Ripper Owens auf der neuen ICED EARTH Platte erinnert. Respekt, diese Stimme hat Potential, und zwar mächtig. Einer der Songs nannte sich „Nosferatu sees the night". Alles in allem ein super Auftritt, und man merkte den Jungs den Spaß beim Spielen richtig an. Gut so.
VINTERSORG bestachen mich nicht so, wie sie es schon einmal getan hatten. Trotz alle dem, die Musik ist wunderbar. Sänger und Bassist Vintersorg hatte sich die arschlange Matte auf nen modernen Kurz-Style kappen lassen. Schade um die Haare. Aber es passt, nach der ersten Gewöhnungsphase, zu ihm. „Tid Fjälls" war einer der heute gespielten Songs. Technisch war nichts einzuwenden gegen die Leistungen der sehr guten Instrumentalisten.
Dann wurde es richtig heftig auf der Main Stage. Der Angelripper und seine SODOMisten machten sich breit. Noch bevor man das Intro spielte schallten aus der jetzt stark angewachsenen Meute vor der Bühne SODOM-Sprechchöre. „Otbreak of Evil" knallte los und „Placebo" folgte. Cooler Auftakt. „I love the smell of Napalm in the morning, it smells like - Victory!", verkündete einst der Führer der Kavallerie in dem Film Apocalypse Now in Vietnam seine Vorliebe für den Geruch dieses Brennstoffes. Auch auf der aktuellen Platte M-16 tut er dass. Nur auf dem Summer Breeze, da brezelte Tom gleich los, ohne große Ankündigung. „Napalm in the morning" walzte mit seinem Mid-Tempo Rythmus alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte. ”Nothing to regret" schloss sich an, ebenso wie der Titelsong von „M-16". „Es gibt so ein scheiß Mag von den verschissenen Jehovas Zeugen. Und jedesmal wenn die bei mir schellen, sind sie an der richtigen Adresse. Der scheiß 'Wachturm'" Die Menge brodelte nur so vor Energie. Man möchte jetzt nicht in der ersten Reihe gestanden haben. Definitiv! SODOM prügelten alles nieder, was nicht bei drei in Sicherheit war. Ein Bomben Gig!
SIRENIA spielten ihren Gothic Metal auf der Pain Stage. War ganz nett anzusehen das Ganze und auch Sängerin Henriette war nicht gerade zum Wegschauen. Ihre Stimme ergänzte sich super mit den cleanen Parts von Kristian und den agressiven Growls von Morten. Auch die Musik war richtig cool gemacht. Gothic Metal ohne Abrutsch ins kitschige. Schön, das und was für dunkle Romantiker. „Voices Within" wurde von meiner Chefin als Titel aufgeschnappt.
Es war soweit. SIX FEET UNDER sollten die Main Stage rocken. Und das taten sie beileibe. „No warning shot" und „Feasting on the blood of the Insane" metzelten die Nacken der Banger nieder. „War is coming" schlug ein wie eine Bombe aus dem selbigen. Chris Barnes war alles in allem recht gut drauf, allerdings entstand kaum Kommunikation zu den Fans, außer ein paar Aufforderungen und Nachfragen. Er grölte noch „Fuck George Bush" ein paar Mal, bevor wir uns dem Gig abwandten. Der hatte auch dadurch einen bitteren Beigeschmack bekommen, als im Pressezelt per Aushang verkündet würde, die Amis würden auf Festivals keine Interviews geben. Die Gründe für diesen Zug blieben uns verschlossen.
Samstag, 23.08.04
Die verrückten HONIGDIEBe rasteten auf der Bühne völlig aus. Vor allem Sänger Sir Hannes verausgabte sich total. „Auf der Suche nach dem Glück", „Meine Tür" und „Madame" ließ die Zuhörer schier zusammenbrechen vor Lachen. So blöd und durchgeknallt dass es schon wieder lustig war. „Ich bin Gott" und „Lust auf Lust" folgten, bei welchem Madame ein Lackbustier und nen Mini aus dem gleichen Material angezogen hatte. Straps-Strümpfe waren ebenfalls vorhanden. Diese zog sie sich dann aber wieder aus. Es war mit J.B.O. dieses Jahr der verrückteste Gig, dem ich beigewohnt habe. Lustige Sache das!
SCHANDMAUL sahen wir dieses Jahr nach Wacken dann zum zweiten Mal auf der Main Stage des Summer Breeze. Sofort losgerockt wurde im Mittelalter mit dem „Teufelsweib", dem „Seemannsgrab" und dem „Herr der Dunkelheit". Die Münchner waren sehr gut drauf und Thomas machte richtig Stimmung im Publikum. Man feierte gemeinsam die „Walpurgisnacht", obwohl das Datum nicht passte. Die „Herrin der Winde" wachte über Abtsgmünd, lies aber Regen im Laufe des Tages leider zu. „Der letzte Tanz" beschloss diesen schönen Auftritt zusammen mit der Zuagbe „Gebt Acht", welch eine sehr schöne Refrain-Melodie hat.
Die Pain Stage wurde von ENSIFERUM zerlegt. Die Finnen waren spielerisch extrem gut drauf und schmetterten ihre Black-Folk-Metal Hymnen in die Bangermenge. Einer davon war „Tales of Revenge" und man konnte extrem viele Stage Diver beobachten, die im Photograben und teilweise auch davor landeten. Autsch.
U.D.O. und Band riefen zum Klassik Metal Meeting auf dem Summer Breeze. „Thunderball" rockte das Gelände gleich mal ordentlich durch. Als die ersten Töne von „Metal Heart" erklangen, rasteten die Fans erneut richtig aus. Der Klassiker von ACCEPT brach alle Dämme. Passend dazu regnete es aus allen Himmelstoren. Sauwetter. „Son of a bitch" wurde von einem riesigen Jubel beendet. Udo meinte nur „Bitteschön", womit er den Dankesjubel quittierte. „Man and Machine" riffte gleich mächtig weiter. Man wurde Zeuge einer der coolsten Shows dieses Jahres und dass sich die neuen Songs des Army-Zwerges nicht vor alten ACCEPT-Klassikern scheuen braucht. „Balls to the wall" lies die Menge erneut beben, toben und mitsingen. Als dann noch „I'm a rebel" ertönte, war alles zu spät. Solche Reaktionen hab ich selten auf dem diesjährigen Festival erlebt. Geil, einfach nur geil. Die Band zockte sich technisch korrekt durch alle Songs und Udo Dirkschneider machte alles, aber auch alles mit den Songs richtig. Lob und long live Metal!
Als letzte Band auf dem diesjährigen Fest mussten PRIMORDIAL ran. Auch hier hatte sich Sänger Alan die Matte gleich mal in ne Glatze verwandeln lassen. Das schmälerte aber keinerlei die Leistung der Iren. Gnadenlos guter Folk-Black Metal gepaart mit einer theatralisch-gigantischen Show des Frontmannes. Keiner leidet so schön wie er mit den alten Sagen und Göttern von Irland. „Gods to the Godless", ein großartiger Song. Dann kam das Thema zu sprechen, welches wohl alle Anhänger des Genres betrübte/berührte oder einfach nur erschrecken lies. „2 months ago someone died. It maybe has changed your lives. It changed ours. Quorthon from BATHORY." Stille „I said Quorthon from BATHORY!" schrie Alan erneut, der scheinbar mit dieser Reaktion nicht zufrieden war. Die Menge brüllte ihm entgegen. Ich muss sagen: Danke Alan, für diese Ansage! Und Quorthon R.I.P. „Journey's End" beschloss diesen Gig für uns. Und somit auch das diesjährige Festival.
Fazit: Die Bandauswahl dieses Jahr war nicht annähernd so gut wie im letzten Jahr. Wobei ein paar eingefleischte sicher die richtigen Bands fanden. Man hörte wieder mal Klagen über die Sanitär-Situation. Klar ist das kein Kindergeburtstag, aber man kann doch leere Dixies nicht abschließen!!! Und das am Camping Platz oben. Das eine läuft über und ausweichen kann man nicht. Achim, das sollte besser werden. Die Besucher hielten sich dieses Jahr wegen des Dauerregens von alleine in Grenzen, so dass man leider nicht ausmachen konnte, ob die Ticket-Limitierung wirklich eingeführt wurde.
An dieser Stelle noch ein Lob an den Thomas, der das Pressezelt mit allem was dazugehörte, geschmissen hat. DANKE! Thomas, ohne Dich würden die Presseleute in einem leeren Zelt sitzen. Respekt. Alles in allem ein gutes Festival, das ein wenig durch das Wetter getrübt wurde. Kann man nichts machen. Aber die Organisation könnte besser werden, denn die hat im Vergleich zu den Vorjahren immens abgebaut. Schade. Vielleicht bis nächstes Jahr. df/rm
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